Orthodoxe Christen – was ist da anders?

Eine deutsche Kunststudentin kommt 1987 mit 23 Jahren nach Griechenland wird dort orthodox und ist seit 1995 sogar Äbtissin eines internationalen Frauenklosters das seit 2019 im Kloster Arnstein zuhause ist. Damals fragte ein Mönch sie, wie sie heiße, woher sie komme und: „Möchtest Du Dein Herz zu einer Kirche Jesu Christi machen?“ Charlotte Stapenhorst sagt „Ja“. Ihre Geschichte hat Ilka Piepgras in dem Buch: „Meine Freundin, die Nonne“ beschrieben.

Seit 1990 gibt es ein erstes deutsches orthodoxes Kloster in Buchhagen: Das heilige Dreifaltigkeitskloster.

Neue Klöster entstehen. Neue Kirchen werden gebaut:
Was aber glauben orthodoxe Christen? Was ist dort eigentlich anders als bei uns? Was ist gleich?

Göttliche Liturgie

…wird der sonntägliche Gottesdienst genannt. Er dauert oft etwa 3 Stunden – aber keine Angst, man darf (fast zu jeder Zeit) kommen und gehen, wie man möchte 🙂 Im Himmel wird immer Gottesdienst gefeiert und wir hier klinken uns eine kleine Zeit in diese himmlische Feier ein. Deshalb steht (oder kniet) man übrigens auch im orthodoxen Gottesdienst – so wie die Engel vor Gottes Thron stehen. Auch wir dürfen aufrecht vor Gott stehen. In der österlichen Freudenzeit ist sogar das Knieen (was sonst bei der Evangeliumslesung, der Beichte und der Abendmahlsfeier üblich ist) „verboten“.
Der Gottesdienst wird seit mindestens 1700 Jahren immer gleich gefeiert, und zwar genau so wie die ersten Christen ihn gefeiert haben. Es gibt viele Gebete, Gesänge, Psalmen und Lesungen – Liturgie.

Der Höhepunkt ist immer die Feier des Heiligen Abendmahles, an der (nur) jeder getaufte orthodoxe Christ teilnehmen darf, und zwar von Baby an.

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Das heilige Abendmahl in der rumänisch orthodoxen Kirche Leipzig
(Bildrechte bei der Gemeinde, Danke an Vater Ioan Forga für die Erlaubnis)

Erwachsene und größere Kinder bereiten sich darauf immer besonders vor: mit Gebeten, der Beichte beim geistlichen Vater und einer 8-stündigen Fastenzeit, d.h. das Frühstück inkl. Kaffee fällt aus.
HIER kannst du einen kleinen Bericht zum orthodoxen Gottesdienst anschauen

Ikonen

… spielen in der orthodoxen Kirche eine ganz besondere Rolle. Sie werden „Fenster in den Himmel genannt“ – durch sie schauen die Heiligen, die schon bei Gott sind, auf uns. Orthodoxe Christen verehren nicht das Bild an sich, sondern in den Ikonen die Person, die dahintersteht und damit letztendlich Gott. (So wie man das Bild eines geliebten Menschen mit sich trägt – früher in einem Medaillon oder im Portemonnaie, heute im Handy) Wenn man die Kirche betritt, verneigt man sich vor ihnen und begrüßt sie mit einem Kuss.
Die erste Ikone soll der Evangelist Lukas von der Gottesmutter Maria geschrieben haben. Man sagt „geschrieben“ – nicht gemalt – weil die Ikone Wort Gottes im Bild ist.
Wie Katholiken auch verehren orthodoxe Christen Heilige – also Menschen, die uns schon vorrausgegangen sind in die Herrlichkeit Gottes und dort besonders für uns beten können.

Christus Pantokrator

Auch die Wände und Decken der Kirchen sind oft mit Ikonen gestaltet. HIER siehst du Fotos, wie die neue rumänisch orthodoxe Kirche in Leipzig ausgemalt wird.

Kirche

In jeder Kirche trennt eine Ikonenwand den Kirchenraum vom „Allerheiligsten“. Überhaupt erinnert mich der Aufbau etwas an den Tempel in Jerusalem und manchmal wird die Kirche auch als Tempel bezeichnet. Auch die Liturgie scheint manche Parallelen zu haben.
Besonders russisch orthodoxe Kirchen haben oft eine runde vergoldete Kuppel – das sieht aus wie die Flamme einer brennende Kerze. Sie sind meist in Kreuzform gebaut.

Grafik von Theodoulos Gregorites

Es gibt in orthodoxen Kirchen keine Kirchenbänke, weil man ja wie die Engel vor Gott steht. Nur an der Seite sind Sitzgelegenheiten für ältere Menschen, Kranke oder Schwangere.
Es gibt auch keine Orgel und keine modernen Instrumente: nur die Stimme als direkt von Gott geschaffenes „Instrument“ wird zum Lob Gottes genutzt. Wie das klingt, kannst du hier hören: 

o   https://www.youtube.com/watch?v=uOAPvaykVbE

o   https://www.youtube.com/watch?v=X3kX83ub8ag&t=94s

o   https://www.youtube.com/watch?v=5FyYDxqDlD0[LK1] 

Wenn man die Kirche betritt, grüßt und verehrt man die Ikonen mit einer kleinen Metanie: nach dem Kreuzzeichen berührt man mit den Fingern den Boden und verneigt sich somit.
Beim Kreuzzeichen nimmt man Daumen, Zeige- und Mittelfinger zusammen – für die Dreieinigkeit. Ringfinger und kleiner Finger liegen an der handfläche und bedeuten die zwei Naturen Christi – wahrer Gott und wahrer Mensch.
Das Kreuzzeichen kommt ziemlich oft in der orthodoxen Liturgie vor und wird anders als in der katholischen Kirche von der rechten zur linken Schulter gezeichnet. Auch Metanien kommen öfter vor. Bei der großen Metanie wirft man sich nach einer Verneigung mit Kreuzzeichen mit beiden Knien auf den Boden und berührt mit der Stirn den Fußboden. Oder man legt sich ausgestreckt auf den Boden.
Metanie ist übrigens griechisch – μετάνοια – und bedeutet Sinnesänderung, Reue, Buße.

Die Kirche wird das „Krankenhaus der Seele“ genannt – hier begegnet man dem heiligen und heilmachenden Gott.

Jesus-Gebet

In der Bibel steht: Betet allezeit – also immer. Wie kann das gehen? Gemeint ist, dass wir immer mit Gott in Verbindung bleiben sollen, die Standleitung stehen soll. Um sich daran zu erinnern und um das zu üben, gibt es das Jesus-Gebet. Man spricht sozusagen in Dauerschleife zusammen mit dem Ein- und Ausatmen nur einen kurzen Satz. Am gebräuchlichsten ist: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“.
Probiere das doch mal und schau was passiert 🙂

Fastenzeiten

Im Garten Eden, dem Paradies, gab es nur ein einziges Gebot – und das war ein „Fastengebot“ nämlich nicht von dem einen Baum der Erkenntnis zu essen. Leider haben Adam und Eva das nicht gehalten…
Schon die frühe Kirche fastete jeden Mittwoch und Freitag.
Neben den großen Fastenzeiten im Advent und während der Passionszeit gibt es noch viele kleinere, z.B. vor dem Gedenktag von Petrus und Paulus, vor Maria Himmelfahrt … (HIER geht es zum Fastenkalender)
Leider haben evangelische Christen diese Zeiten fast gar nicht mehr und auch in der katholischen Kirche wird immer weniger gefastet. Dabei ist das eine gute Übung, um Selbstbeherrschung und Verzicht zu üben, um sich auf Gott auszurichten und wieder „hungrig“ nach Gott und seinem Wort zu werden und auch barmherziger gegenüber anderen Menschen, besonders den Hungernden dieser Welt.
Bei orthodoxen Christen heißt fasten übrigens meistens, VEGAN essen – das ist also keine neumodische Erfindung 🙂

Beichte

… ist ein Sakrament, also eine heilige Handlung. Man beichtet regelmäßig ab etwa 7 Jahren vor einem Priester, der meist auch der geistliche Vater ist. Die Beichte und das Gespräch wollen helfen, um HEIL, um ganz zu werden:

“Mein Kind! Christus steht unsichtbar hier und nimmt die Beichte an. Schäme dich nicht, fürchte dich nicht, verheimliche nichts vor mir, sondern sage alles, was du gesündigt hast, sei nicht verlegen, um die Vergebung von unserem Herrn Jesus Christus zu erlangen. Hier ist Sein Bild vor uns: ich bin nur der Zeuge, um vor Ihm alles zu bezeugen, was du mir sagen wirst. Wenn du mir etwas verheimlichen wirst, so wirst du die doppelte Sünde haben. Verstehe, dass du zu einer Heilstätte gekommen bist, so sollst du nicht ungeheilt von hier fortgehen.” (Quelle: https://orthpedia.de/index.php/Beichte )

Geistlicher Vater

Jeder orthodoxe Christ hat einen Priester als geistlichen Begleiter, nicht nur für die Beichte, sondern auch als Berater und Helfer, um im Glauben zu wachsen und immer mehr so zu werden wie Gott. Gott hat uns zu seinem Ebenbild geschaffen – und so sollten wir wieder werden. Orthodoxe Christen haben ein extra Wort dafür:
Theosis
– es meint die vollkomme Einheit der Seele des Menschen mit Gott, Göttlich sein.
Das ist das Ziel eines Christen.

Wichtig ist auch der Gehorsam gegenüber dem geistlichen Vater. Man übt ganz bewusst Gehorsam, um so Jesus nachzufolgen, der seinem himmlischen Vater ganz gehorsam war: „Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe“.

Taufe

Wer orthodox getauft wird, wird – meist als Baby – dreimal untergetaucht – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist bildschirmc2adfoto-2023-02-01-um-18.39.57.png
Taufe in der rumänisch orthodoxen Kirche Leipzig
(Bildrechte bei der Gemeinde, Danke an Vater Ioan Forga für die Erlaubnis)

Hochzeit

Brautleute werden bei der Hochzeit gekrönt.

“Herr, unser Gott, kröne sie mit Herrlichkeit und Ehre!” mit diesen Worten segnet der Priester den Bräutigam und die Braut, die von nun an Mann und Frau sind.
Warum Kronen? Gott segnete Adam und Eva und gibt ihnen den Auftrag “macht euch die Erde untertan” – Er macht sie zu Königen über die von Ihm geschaffene Natur. Diese Königswürde bleibt den Menschen bis heute erhalten. Außerdem bedeuten diese Kronen auch die Siegeskronen der Märtyrer: Der Weg der Ehe ist nicht immer einfach, es gibt auch Streit und Probleme, aber man soll sie gemeinsam überwinden 🙂
Nach der Krönung wird aus dem Epheserbrief 5, 21-33 gelesen und daran erinnert, dass die Familie „Kirche im Kleinen“ ist.

Was sonst noch typisch ist:

In der Kirche und an heiligen Orten tragen Frauen normalerweise Kopftuch und Rock (bis übers Knie) und im Gottesdienst stehen sie meist auf der linken Seite und die Männer rechts. In manchen Gemeinden wird das aber nicht mehr so streng gehandhabt.

Man kann Bienenwachskerzen anzünden und damit seine Gebete und Bitten zu Gott bringen.

Orthodoxe gehen eher weniger auf den Friedhof. Stattdessen gedenken sie samstags der Verstorbenen – weil Jesus nach seinem Tod in das Reich der Toten ging, um sie dort herauszuholen. Sie beten für ihre Angehörigen und tun etwas Gutes. Früher brachte man Speisen für die Armen mit in die Kirche – heute macht man das nur noch symbolisch und spendet ansonsten zum Gedenken der Toten.

Für orthodoxe Christen soll alles, auch die „äußerlichen“ Regeln und Bräuche, auf Christus hinweisen und zu IHM führen.
Das größte Fest ist nicht Weihnachten, sondern Seine Auferstehung. Dann wird der schönste Hymnus der Orthodoxen Kirche immer und immer wieder gesungen:

Christus ist auferstanden von den Toten,
hat im Tode den Tod zertreten
und denen in den Gräbern das Leben geschenkt!

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