Vor 1700 Jahren tagte in Nizäa das erste weltumfassende ökumenische Konzil. Kaiser Konstantin hatte alle Bischöfe dazu eingeladen. Aber warum? Wie kam es dazu?
Es gibt viele schlaue Schriften und Bücher darüber – ich versuche es mal, möglichst einfach für euch zu erklären.
Also:
1. Mit Konstantin wird alles anders
Die ersten 300 Jahre lang wurden die Christen verfolgt. Die „schlimmsten“ waren Kaiser Nero und Diokletian.
Unter Kaiser Galerius endete die Christenverfolgung weitgehendst. Unter Kaiser Konstantin dann endgültig. Wer war Kaiser Konstantin?
Zu seiner Zeit um 300 n.Chr. herum gab es sogar 4 Kaiser: im Westen Konstantin und Maxentius, im Osten Licinius und Maximinus Daia, die sich natürlich um die Macht stritten.

Kaiser Konstantin hat übrigens seine Spuren auch hier in Deutschland hinterlassen, am bekanntesten ist wohl die Konstantinbasilika in Trier, die 305–311 als Empfangssaal erbaut wurde.
Über Kaiser Konstantin kann man Bücher schreiben, aber ich will nur ein paar wichtige Dinge erzählen.

Maxentius und Konstantin kämpften um die Macht im Weströmischen Reich. Und eigentlich war Maxentius zahlenmäßig überlegen, er soll 100.000 Mann gehabt haben, Konstantin nur 40.000. Aber Konstantin war trotzdem ziemlich erfolgreich.
Es wird erzählt, dass Konstantin auf dem Weg zu einer schwierigen Schlacht in einer Vision ein Zeichen sah, vermutlich Sonnenstrahlen, die ein Kreuz an den Himmel malten. Und er hörte eine Stimme: „In diesem Zeichen wirst du siegen“.
Deshalb lies Kaiser Konstantin der Überlieferung nach vor der Schlacht gegen Maxentius das Chi Rho – ein Zeichen für Jesus Christus auf die Schilde seiner Soldaten malen.

Chi (χ = CH) und Rho (ρ = r) sind die ersten Buchstaben von Χριστός („Christos“) in der griechischen Sprache. Es ist also eine Abkürzung für CHRISTUS – das heißt: der Gesalbte, der Retter, der Messias.
Am 28. Oktober 312 kam es an der Milvischen Brücke zur Entscheidungsschlacht. Und Kaiser Konstantin siegte tatsächlich.
313 erlies Kaiser Konstantin dann das sogenannte Mailänder Edikt. Damit war das Christentum rechtlich anerkannt und Christen bekamen ihr beschlagnahmtes Eigentum zurück. Christsein war auf einmal schick. Als Christ hatte man manchmal sogar besondere Privilegien. Das Christentum konnte sich im gesamten römischen Reich einfach verbreiten.
Aber es gab neue Probleme: Was ist mit den „Lapsi“ – den „Abgefallenen“, die Jesus während der Zeit der Christenverfolgung verleugnet hatten? Dürfen die jetzt einfach zurück zur Kirche kommen? Vielleicht sogar Priester werden? Müssen sie nicht erst zeigen, dass es ihnen leid tut und sie es jetzt ernst meinen? Da gab es welche, die Donatisten, die das ganz streng gesehen haben: Man kann ja nicht dauernd seine Meinung ändern und einfach mal so wieder Christ sein, nur weil es jetzt anerkannt ist. Und andere, die meinten, man müsse barmherzig sein wie Jesus mit Petrus barmherzig war. Und schon gab es Streit.
324 konnte Kaiser Konstantin auch noch seinen letzten Konkurrenten Licinius aus dem oströmischen Reich besiegen. Damit ist er der Alleinherrscher. Er macht Byzanz im Osten zu seiner neuen Hauptstadt und nannte es Konstantinopel (das heutige Istanbul). Nun gab es EIN römisches Reich, EINEN Kaiser – und am liebsten wäre es Konstantin, wenn es auch nur EINE Religion gäbe. Aber unter den Christen gab es Streit:
In Alexandria gab es einen Presbyter (Kirchvorsteher) Arius, der sich mit dem Bischof Alexander von Alexandria stritt, wer Jesus ist. Er war der Meinung, dass es eine Zeit gab, in der Jesus nicht existiert habe; also konnten Gott-Vater und Sohn nicht gleich sein.
Jesus ist also Gott untergeordnet.

Bischof Alexander aber sagte: Jesus ist mit Gott wesensgleich und hat in Gott schon immer existiert. Jesus ist wie der Vater Gott.

Es gab noch mehr Fragen:
Es gibt nur EINEN Gott! – Was ist dann mit Jesus (und dem Heiligen Geist)? Wenn Jesus als „Gottes Sohn“ bezeichnet wird, ist das dann nur ein „Ehrentitel“ ? Ist Jesus von Gott „adoptiert“ worden? …
Aber: Wenn GOTT nicht Mensch wird (in Jesus), kann der Mensch nicht erlöst werden. Das kann nur Gott selbst. Also muss Jesus auch GOTT sein.

Wer ist Jesus für uns?
Es gab schon eine kleinere Synode 324, wo dies diskutiert wurde.
Um die Streitfragen ein für alle mal zu klären und die Christen zu einen, ruft Kaiser Konstantin nun ALLE Bischöfe seines vereinten Reiches zusammen – es gab vermutlich ungefähr 1800. Aber nicht alle haben seine Einladung angenommen: manche waren zu alt oder krank, manche wollten ihre Gemeinden nicht so lange allein lassen und es war eine weite Reise.
Kaiser Konstantin hat Reisekosten und Verpflegung übernommen und als „Tagungsort“ seine Sommerresidenz in Nizäa ausgesucht, weil die günstig lag, nämlich etwa in der Mitte und gut erreichbar war. Das Klima dort ist angenehm, ein Erholungsgebiet. Nizäa heißt heute Ismik und liegt in der Türkei.
Etwa 250 – 300 Bischöfe sind gekommen. Man hat gesagt, es wären 318 gewesen – so viele, wie Abraham Männer hatte. Da jeder Bischof auch einen Presbyter, Ältesten oder Kirchvorsteher und auch Diakone mitbringen konnte, waren es wohl ungefähr 2000 Leute. Die meisten kamen aus dem östlichen Teil des Landes.

Einen Teilnehmer kennt ihr: Nikolaus von Myra 🙂
Auf dieser ersten Ökumenischen (weltumfassenden) Synode von Nicäa betet und diskutiert man lange und auch heftig. Nikolaus, der sonst so lieb und hilfsbereit ist, soll dem Arius sogar eine Ohrfeige verpasst haben, so wichtig waren ihm diese Fragen.
Am Ende formuliert man ein Glaubensbekenntnis – um jedes Wort und jede Formulierung hat man lange gerungen bis es „fertig“ war.
Jesus ist gezeugt, nicht geschaffen.
Er ist Gottes einziggeborener Sohn.
Er ist vom Vater geboren vor aller Zeit und Welt,
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott aus wahrem Gott,
gezeugt, nicht geschaffen.
Er ist EINES Wesens mit dem Vater.
Durch IHN ist alles geworden, was im Himmel und was auf Erden ist.
Und – Er ist für uns Menschen und um unsrer Seligkeit willen extra vom Himmel gekommen!
HIER ist der Text dieses ersten Glaubensbekenntnisses.
Dieses Glaubensbekenntnis verbindet uns Christen heute noch miteinander.
Es gab zwar 359/60 noch einmal längere Diskussionen und Streit. Aber 381 hat es das Konzil von Konstantinopel bestätigt: Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch.
Außerdem hat man noch einen Artikel über den Heiligen Geist als dritte Person der Dreieinigkeit (Trinität) und sein Wirken in unserer Welt angefügt.
Ab da hat sich der Beschluss und das Bekenntnis von Nicäa endgültig durchgesetzt.

Kaiser Konstantin entrollt den Text des Nicäno-Konstantinopolitanum, wie es auf dem ersten Konzil von Konstantinopel (381) umformuliert wurde – mit Ausnahme des ersten Wortes, von πιστεύομεν (‚wir glauben‘) zu πιστεύω (‚ich glaube‘) geändert, wie in der Liturgie.
Dieses erste Konzil von Nicäa hat auch den Grundstein dafür gelegt, wie in der Kirche mit Streitfragen umgegangen wird – oder werden soll. Man betet und diskutiert und vertraut darauf, dass Gottes Wille geschieht.
Heute gibt es bei uns in der evangelischen Kirche 2 mal jährlich eine Synode wo über wichtige Fragen gebetet, diskutiert und auch mal gestritten wird. Und auch hier vertrauen wir, dass am Ende Gottes Wille geschieht.
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