Geistliche Übungen – Das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit

Der Tag fliegt vorbei, man hetzt von einem zum anderen. Nach einer oft unruhigen Nacht kommt der nächste Tag und man fühlt sich wie im Hamsterrad. Das Gefühl, gelebt zu werden, statt zu leben wird immer stärker. Das Leben scheint nur noch von den Erwartungen anderer und den Verpflichtungen bestimmt zu werden. Und man wird immer unzufriedener…
Was tun?
Ein Tagesrückblick hilft innezuhalten, sich neu zu sortieren, Gedanken und Emotionen zu klären.
Ich breche den Tag nicht ab, sondern beende ihn rückschauend.
Ignatius von Loyola nennt das die wichtigste Viertelstunde des Tages.

Ignatius von Loyola (1491-1556) war ein spanischer Priester, Gelehrter und Mystiker. Er ist der Gründer des Jesuitenordens (auch Gesellschaft Jesu genannt) und wird oft als einer der einflussreichsten katholischen Heiligen und Theologen der Geschichte angesehen.

Wer das schon praktiziert, weiß, wie wertvoll diese Übung ist. Es wächst wieder Zufriedenheit und Dankbarkeit. Man findet innere Ruhe und Frieden, weil die Beziehung zu Gott gestärkt wird.
Ich habe diese Übung etwas „angepasst“. Wer das Original möchte, findet dazu einige Seiten im Internet, sogar bei ChatGPT 🙂

1. Sich einfinden und zur Ruhe kommen („Ich werde gegenwärtig“)
Suche einen ruhigen Ort, wo du die nächste Viertelstunde ungestört bist.
Lege das Handy weit weg oder schalte es ab.
Eine bequeme Sitzhaltung ist gut.
Mir hilft es, eine Kerze anzuzünden und ein Kreuzzeichen zu machen.
Atme ein paarmal bewusst und langsam ein und aus, um zur Ruhe zu kommen. *
Mache dir bewusst, dass Gott da ist und dich voller Liebe anschaut:
Ich darf einfach da sein, ich muss nichts leisten.

2. Ich bitte um Gottes liebevollen Blick
Bitte Gott, dass er Dir hilft, den Tag mit Seinen liebevollen Augen zu sehen.
„Barmherziger Gott, Du bist immer bei mir und schaust voller Liebe auf mich. Ich bitte dich jetzt um Klarheit und Deinen liebevollen Blick auf den Tag. Lass mich diesen Tag mit Deinen Augen sehen. Umgib mich mit Deiner Gegenwart und hüll mich in Deine Liebe ein.“

3. Ich schaue den Tag an
Ich schaue aufmerksam und liebevoll auf das, was heute war.
Ich gehe einfach den Tag Stunde für Stunde durch – ohne zu bewerten, einfach schauen was war und welche Gefühle ich dabei hatte. Welche Begegnungen, welche Ereignisse waren heute?
Alle Gedanken und Empfindungen nehme ich wahr, aber ohne sie zu beurteilen. Ich lass sie einfach vorbeiziehen, wie Wolken am Himmel.

Mir hilft die Vorstellung, dass ich langsam und bewusst die „Einkaufstasche“ vom Tag auspacke – ich schaue alles an, manchmal staune ich, manchmal ärgere ich mich… und dann kommt alles an seinen Platz – seinen Platz vor Gott.

4. Ich bringe alles vor Gott
Die schönen Sachen aus meinem „Tageskorb“ bekommen einen extra Ort, das bedeutet: Dinge, für die ich dankbar bin, schreibe ich mir auf. Auch schöne Ereignisse kann man in einem Tagebuch festhalten.
„Müll“ wird entsorgt: Ich bitte Gott um Vergebung – und wenn nötig später auch die Menschen, die ich verletzt habe.
Kaputt gegangenes, Misslungenes, Schwieriges, Unangenehmes, Verletzungen oder Schmerzhaftes darf ich beklagen und dann in Gottes Hände legen und um Sein Erbarmen bitten. Er kann es heil machen. Er kann mir helfen.
Auch meine Unruhe, Betroffenheit oder Sehnsucht kann ich IHM bringen – und die Menschen, die mir am Herzen liegen kann ich IHM anvertrauen.
Anderes stelle ich einfach vor Gott ab und bitte Ihn, das Richtige damit zu machen.
Ich lege meinen Tag und mich selbst zurück in Gottes Hände. Nichts muss mich mehr belasten und beschweren.

Gott schaut voller Liebe auf mich, aufmerksam und wohlwollend – und auch ich kann mich voller Liebe anschauen: Mich, meine Situation, meine Mitmenschen, meinen Erfolg und auch mein Versagen. Dieser liebevolle Blick heilt meine Seele. Ich entdecke Gottes Spuren in meinem Leben und werde aufmerksam für Gott.

5. Ich blicke auf den nächsten Tag
Am Ende schaue ich auf den nächsten Tag:
Welche Hoffnungen oder Befürchtungen habe ich? Was wird mich erwarten? Welche Aufgaben liegen vor mir?
Ich bitte Gott um Kraft, Mut, Entschiedenheit, Weisheit, Geduld, Hilfe… einfach um das was ich brauchen könnte.
Und ich genieße noch eine kleine Weile die Stille 🙂

Ich persönlich beende das Gebet mit dem Vaterunser, der Bitte um Segen und dem Kreuzzeichen.

* Wem es schwer fällt zur Ruhe zu kommen oder gerne eine Anleitung dazu hätte, kann sich hier auch an die Hand nehmen lassen.
Stefan Kolodzie (Dipl. Psychologe) bietet Achtsamkeitsübungen mit Jesusgebet und dem Gebet der liebvollen Aufmerksamkeit an. HIER geht es zur „playlist“.


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