Nehemia 1,1:
Bericht des Nehemia, des Sohnes Hachaljas. Im Monat Kislew, im zwanzigsten Jahr des Artaxerxes, war ich in der Festung Susa;…
Es ist das Jahr 445 v. Chr.
In Susa, der Winterresidenz des persischen Königs wacht Nehemia schweißgebadet auf.

Er hatte schlecht geträumt, das heißt am Anfang war es ein schöner Traum:
Seine Urgroßmutter – sie war auf einmal ein kleines Mädchen – lief durch Jerusalem, an der großen starken Mauer entlang und bis zum Vorhof des Tempels. Seltsam, er hatte Jerusalem noch nie gesehen, aber er wusste sofort, dass sie es war: Jerusalem, die große Hauptstadt, oben auf dem Berg. Dort wo das Haus Gottes, der Tempel stand. In ihm wurden jeden Tag Gottesdienste gefeiert und vor allem alle großen Feste. Ach was müssen das für schöne und feierlichen Gottesdienste gewesen sein. Seine Urgroßmutter hatte ihm oft davon erzählt und ihre Augen leuchteten dabei.
Und dann – dann waren die Babylonier gekommen und hatten alles zerstört: den schönen Tempel, die Häuser, die starke Mauer, alles kaputt.

Und die Menschen, die überlebt haben, die wurden gefangen nach Babylonien weggeführt. Da war Nehemia aufgewacht.
Das mit der Zerstörung des Tempels und der Wegführung in die Gefangenschaft nach Babylonien war vor ungefähr 140 Jahren gewesen. Warum hatte er gerade jetzt davon geträumt? Ach ja: sein Bruder Hanani war gestern nach Susa zu Besuch gekommen. Hanani war vor einigen Jahren zurück ja nach Jerusalem gegangen. Nachdem die Perser vor etwa 90 Jahren das babylonische Reich erobert hatten, durften die Juden wieder in ihr Land zurück. Hanani war vor einigen Jahren gegangen, Nehemia war in Susa geblieben – er war Mundschenk des Königs und hatte eine wichtige Stellung.

Der König Artaxerxes, der damals mächtigste Mann der Welt, vertraute ihm.
Nehemia sorgte dafür, dass alles genau kontrolliert wurde, was der König zu essen und zu trinken bekam, dass die Speisen dem königlichen Geschmack entsprachen und nicht vergiftet waren. Es war gut, wenn jemand, der dem König nahe stand, hier war – so wie die Königin Esther damals als er ein Kind war. Auch er würde im Notfall sein Leben riskieren, um sein Volk zu retten….
Und gestern kam sein Bruder und noch einige andere aus Israel. Wie hatte er sich gefreut, Hanani zu sehen – 1300 km trennten sie normalerweise und es war eine lange Reise gewesen. Aber sie brachten keine guten Nachrichten mit:
Vor über 90 Jahren waren die ersten zurückgekehrt. Der Tempel steht zwar wieder (50 Jahre nach seiner Zerstörung wurde der Grundstein gelegt und ca. 20 Jahre später im März 515 wurde er eingeweiht). Aber die Stadtmauern sind immer noch zerstört – nach 150 Jahren immer noch verwüstet, die Tore immer noch verbrannt, immer noch Trümmer. Jerusalem ist schutzlos, den Bewohnern geht es dreckig.
Was nun? Nehemia ist verzweifelt. Er weint. Tagelang.
Es ist ihm nicht egal, wie es Jerusalem und den Menschen dort geht, obwohl sie doch weit weg sind.
Und Nehemia betet Tag und Nacht, immer und immer wieder. Er bekennt die Schuld seines Volkes, dass sie Gott vergessen haben und bittet um Vergebung. Aber er erinnert Gott auch an seine Versprechen und bittet darum, dass Gott hört und hilft.
Ach, Herr, Gott des Himmels, du großer und furchtbarer Gott. Wo Menschen mit dir leben wollen, da lässt du sie nicht im Stich. Aber genau das ist ja unser Problem, wir haben versucht, ohne dich zu leben, wir waren gottlos! Deshalb liegt Jerusalem jetzt auch so wüst da. Gott, verzeih uns! Du hast doch versprochen, wenn wir aber wieder mit dir leben, dann wirst du wieder alles zum Guten bringen, dann wird auch Jerusalem wieder aufgebaut werden, der Ort, wo dein heiliger Tempel steht. Ach Gott, erhöre doch mein Gebet!
So betete Nehemia Tag für Tag und Woche für Woche. Und dann wächst in Nehemia ein Plan. Nehemia will das Problem mit dem König Artaxerxes besprechen, aber er darf ihn nicht einfach ansprechen. Nehemia will den König bitten, dass er ihn nach Jerusalem reisen lässt, um dort die Trümmer der Stadtmauer wieder aufzubauen. Doch wie? Und wie würde der König auf seine Bitte reagieren?
In der Christenlehre erfährst du wie es weitergeht 🙂
Danke an Noah – du bist nicht nur ein großartiger Mitarbeiter, sondern auch ein genialer Baumeister 🙂
* PS. Den „Traum“ habe ich erfunden, damit man die Zusammenhänge besser versteht, alles andere steht so in der Bibel. Die Formulierung von Nehemias Gebet ist großteils von http://www.allesumdiekinderkirche.de/textsuche/nehemia1.pdf übernommen.
Für Mitarbeiter – HIER in dem padlet sind die Fortsetzung und weitere Materialien gesammelt 🙂