Evangelische Benediktineroblatin?

Lutherrose, Symbol, Evangelisch, Lutherisch, Kirchen

Wir schreiben das Jahr 2017. 500 Jahre Reformation, es „luthert“ überall… bis hin zu Quietsche-Entchen von Luther.
Und da rief P. Gabriel († 2018) an und bat mich, im Oblatenkreis etwas dazu zu sagen, was für uns heute noch wichtig ist, was von Luther bleibt.
Nun, was soll ich dazu sagen – als evangelisch-lutherische Benediktineroblatin?

Luther soll wöchentlich den Psalter gebetet haben – schon mal eine Gemeinsamkeit…
Aber was bleibt von Luther?
Es bleibt – hoffentlich – nicht das trennende, sondern das, was er wiederentdeckt und wieder in die Mitte gerückt hat:

sola gratia – allein aus Gnade
sola fide – allein durch Glaube
sola scriptura – allein die Schrift
solus Christus – Allein Christus

Natürlich hat Luther die SOLA’S auch als Abgrenzung zur katholischen Kirche gemeint. Aber man muss es ja nicht so deuten. Man kann auch das Verbindende suchen.
Die Reformation war ähnlich wie beim Heiligen Benedikt eine „Gegenbewegung“ und das Pendel schlägt vermutlich immer erst einmal in die andere Richtung aus. Auch Franz von Assisi war mit seinem Armutsideal radikal – und vermutlich muss das so sein, damit man gehört wird und sich etwas ändert.
Luther hat Vieles nur „wiederentdeckt“, was nicht nur in der Bibel, sondern auch beim heiligen Benedikt zu finden ist. Und ich war überrascht, wie viel ich dazu in seiner Regel entdecken konnte – evangelisch-lutherische Benediktineroblatin geht also wunderbar 🙂

Hier eine kleine Auswahl:

Allein Christus – CHRISTUS steht im Mittelpunkt

Benedikt sagt, wir sollen der Liebe zu Christus nichts vorziehen (RB 4,21) und Christus überhaupt nichts vorziehen (RB 72,11), sondern allein für Christus, den Herrn und wahren König kämpfen (Prolog 3). Und deshalb ist auch das Gebet und der Gottesdienst für ihn das Wichtigste überhaupt.

Allein die Schrift – Bedeutung der Bibel

Benedikt sagt, wir sollen uns Zeit für die Lektio, das Lesen und Meditieren der heiligen Schrift nehmen (RB 48), in der Fastenzeit soll jeder einen Band der Bibel lesen (RB 48,15). Ja eigentlich ist die heilige Schrift der eigentliche Wurzelgrund des Mönchtums und die Bibel ist DIE Regel schlechthin (aus der Einleitung zur Regel). Benedikt aktualisiert die Weisung der Schrift für den konkreten Alltag eines Klosters.
Und wenn wir bitten: „Nimm mich auf, Herr, nach Deinem Wort, und ich werde leben…“ (RB 58,21), dann bedeutet das: ich setze mein Vertrauen und meine Hoffnung auf das Wort Gottes, dass das gilt.

Allein durch Glaube – Das Vertrauen in Gottes Liebe rettet uns

In der Regel wird auf den ersten Blick viel von „frommen Werken“ geredet. Es gibt Vieles, was man als Mönch TUN soll. Und Benedikt droht auch mit Höllenstrafen – aber, wenn man genauer hinschaut, entdeckt man das eigentliche Ziel:
Für Benedikt ist das Kloster eine Schule für den Dienst des Herrn (RB Prolog 45), und zwar eine Schule mit dem Ziel, dass das Herz weit wird und wir im unsagbaren Glück der Liebe laufen (RB Prolog 49). Wir sollen nicht von der Furcht vor der Hölle bestimmt werden, sondern von der Freude und Liebe zu Christus (RB 7, 68 und 69)
Es ist spannend über das Verhältnis von Ehrfurcht und Liebe nachzudenken, denn auch bei Luther heißt es im Katechismus in der Erklärung zu den 10 Geboten: „Wir sollen Gott fürchten UND lieben, dass wir…“

Allein durch die Gnade – Wir werden gerettet allein aus Gottes Gnade

Das war ja Luthers wichtigste Erkenntnis:
Du kannst machen, was du willst – du schaffst es nicht! Gott hat das schon bei Noah festgestellt: der Mensch ist böse von Jugend auf… (Gen. 8,21)
Luther hat sich selber gequält und ist daran verzweifelt: er schafft es nicht und egal, was er tut, er kann nicht machen, dass er Gott recht ist, dass Gott ihn liebt – und dann entdeckt er im Römerbrief (3, 21 ff): GOTT hat schon längst alles getan – durch Christus.
Übrigens – auch Evangelische versuchen mit frommen Werken Gott zu gefallen und meinen dann, sie hätten ein Anrecht auf Gottes Segen, darauf, dass Gott ihre Gebete erhört… und auf Seine Gnade. Aber man kann mit Gott keine Geschäfte machen… auch nicht für Gottes Liebe „bezahlen“.
GOTT hat uns zuerst geliebt, als wie noch Sünder waren (Römer 5,8). Ich kann es nicht machen und ich muss es auch nicht – Jesus hat alles getan, ich darf mich beschenken lassen.
Ich brauche mir Gottes Liebe nicht verdienen – Gott liebt mich schon längst.
In der Taufe hat Gott es auch zu uns gesagt: Du bist mein geliebtes Kind! Ich BIN angenommen, geliebt! Luther hat sich in Zweifelszeiten immer wieder auf seine Taufe berufen. Er soll sich das extra mit Kreide hingeschrieben haben: Ich bin getauft!

Aus der Taufe leben heißt aus der Gnade leben.

Und auch der heilige Benedikt geht davon aus, dass wir Gottes geliebte Kinder SIND – Kinder, die allerdings der Umkehr bedürfen. Er sagt, wir sollen durch Gehorsam umkehren (Prolog 2).
Besonders deutlich wird es, wenn er sagt: In seiner GÜTE zeigt uns der Herr den Weg des Lebens (RB Prolog 20) und Gottes Geduld/ Güte führt zur Umkehr (RB Prolog 37) Hier zitiert er Römer 2,4 – und das ist übrigens mein ganz persönlicher AHA-Bibelvers.
Ich selbst kann Luther nämlich gut verstehen. Ich war verzweifelt, weil ich es wieder und wieder nicht geschafft habe, so zu sein, wie Gott es möchte – und es immer noch nicht hinkriege. Ja manchmal fehlt mir sogar das Wollen dazu. Und dann habe ich mich nicht getraut zu beten, dachte, Gott hat die Nase voll von mir… Bis ich diesen Vers entdeckte: Gottes GÜTE (nicht Strafe, Zorn…) treibt mich zur Umkehr! Gott beschämt mich mit Seiner Liebe, Seiner Güte und Seiner Geduld, die ER mit mir hat. Immer noch.

Bei Benedikt finden sich noch viele Hinweise auf die Güte und Gnade Gottes:

Wenn du etwas Gutes beginnst, bestürme IHN beharrlich im Gebet, sagt er (Prolog 4) und macht deutlich, dass wir Gott und Seine Gnade brauchen zu unserem Tun und nur ER es vollenden kann. Gott wirkt das Gute, durch Seine Gnade bin ich, was ich bin (RB Prolog 29-31 + 6) Und für alles, was uns von Natur aus kaum möglich ist, sollen wir die Gnade und Hilfe des Herrn erbitten (Prolog 41).
Michael Casey sagt in seiner „Einführung in die Benediktusregel“ (EOS-Verlag St. Ottilien 2010, S. 32), dass bei Benedikt die Reinheit des Herzens mehr Frucht der Gnade ist als menschliche Leistung.
Ich hoffe sehr, dass eben das bleibt: Wir sind geliebte Kinder Gottes – nicht, weil wir so toll wären, sondern weil GOTT uns liebt und annimmt, weil ER alles getan hat, um uns zu erlösen und freizukaufen – und dass wir aus der Freude darüber, aus Dankbarkeit, aus Liebe zu Christus den Weg Seiner Gebote laufen – im unsagbaren Glück der Liebe.

Hinterlasse einen Kommentar